The Artist's Body 2009
EINLEITUNG PROGRAMM MATERIALIEN HFMDK-FORUM

VORTRÄGE / SEMINARE

IMPULSREFERATE

»Das Körper–Axiom und die zeitgenössische Kunst«
Kurze Geschichte der Entdeckung des Künstler–Körpers

Dr. Johannes Odenthal

Erst in der Moderne setzen Künstler systematisch ihren eigenen Körper ein als Teil des Kunstwerks, als Gegenstand der Untersuchung. Zwar hat es in der Bildenden Kunst eine große Tradition der Selbstporträts gegeben, aber den eigenen Körper in Bezug auf das künstlerische Schaffen zu reflektieren, das ist neu. Hier entsteht die Performance–Kunst, hier verändert sich die zeitgenössische Musik und Komposition, hier haben Fotografie und Video einen wesentlichen Beitrag geleistet und hier ist der Tanz natürlich zusammen mit dem modernen Schauspiel einen besonders reflektierten Weg gegangen. Dass dadurch ganz neue Kunstformen entstanden sind, ist essentiell für das Verständnis der aktuellen Kunstszene.

 

»Lampenfieber und Auftrittsangst sind nicht dasselbe–Epidemiologie, Ursachen und praktische Hinweise«

Prof. Dr. Helmut Möller

Vom Lampenfieber als kreative, leistungssteigernde Angst wird die Aufführungsangst unterschieden, die zu Leistungsminderung bis hin gesundheitlichen Beeinträchtigung führen kann. Die vorliegenden Forschungsergebnisse über Aufführungsängste lassen den Schluss zu, dass die Hälfte der Musiker unter den Auswirkungen dieser spezifischen Ängste leidet. Der Vergleich mit dem Vorkommen von Angst in der Bevölkerung ergibt, dass Musiker einem 3–4fach erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Aufführungsängste stellen ein unterschätztes gesundheitliches Risiko für Musiker dar. In dem Vortrag werden Fragen zur Epidemiologie und Ursachen aufgeworfen. Ferner werden unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten erörtert.

 

»Enrichment — Enlargement — Empowerment; Musikphysiologie — ein interdisziplinäres Grundlagenfach in der künstlerischen Ausbildung«

Prof. Kristin Guttenberg

»Physiologie« – die Logik des Körpers zu verstehen und ihr gemäß zu handeln: eine Grundlage menschlichen Seins, der körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit und Grundlage des künstlerischen Lernens und Schaffens.

Demgemäß kann Musikphysiologie — respektive Performing–Arts–Physiologie — als inter– und transdisziplinäres Grundlagenfach in der künstlerischen Ausbildung und Praxis verstanden werden. Gesellschaftliche Bewegungen, sich wandelnde Kompetenz– und Tätigkeitsfelder von Künstlern zeigen die Relevanz und Verantwortung, über Lernziele und Schlüsselkompetenzen nachzudenken, die in der Ausbildung vermittelt werden. Hier gehen positiv zu bewertende Impulse von den Hochschulreformen aus, es zeigt sich die Notwendigkeit und Bereitschaft, sich Fragen und Diskussionen zu stellen: was brauchen die Studierenden und Lehrenden?

Im gesamtgesellschaftlichen Kontext ist auch die Relevanz körper– und gesundheitsbildender Inhalte zeitgenössischer (künstlerischer) Ausbildungen an sich zu betrachten.Im Sinne einer zukunftsfähigen und an der individuellen Entwicklung und den Potentialen der Studierenden ausgerichteten Ausbildung werden aktuelle Fragestellungen angesprochen:

_ Welche Disziplinen und Themenfelder berührt das Fach Musikphysiologie?
_ Wie ist eine produktive und bereichernde Vernetzung innerhalb der Ausbildung zu sehen, anzuregen, zu etablieren?
_ Welche Unterrichts– und Beratungsformate sind innerhalb der Ausbildung und darüber hinaus sinnvoll?
_ Wie sind und werden sie in die Studienordnung integriert?

Die Fragen werden aus künstlerischer Perspektive, gesundheitspädagogischer Sicht und medizinisch–therapeutischem Blickwinkel beleuchtet und für die Diskussion (Panel 3) geöffnet.

 

VORTRÄGE

1 »Über Verwandlungs– und Wandlungsfähigkeit des Körpers in zeitgenössischer Musik«

Julia Gerlach

Körper und Körperbilder sind wandelbar und sie verwandeln die Zuhörer.

Aus der konventionellen Symbiose von menschlichem Körper und Instrument bei der physischen Hervorbringung von Musik haben sich in der zeitgenössischen Musik unter dem Einfluss neuer Technologien, sozialer Umbrüche und biologischer Revolutionen eine Vielzahl paralleler Körpervorstellungen und –inszenierungen entwickelt. Sie zielen darauf, den Körper durch technologische oder biologische Eingriffe zu erweitern, zu verändern oder sogar zu zerstören. Oder aber sie gehen von Körpern als ganzheitlich erfahrbare Einheit, als wertvolle Ressource aus, die über die Musik hörbar und erfahrbar gemacht wird — in einer kollektiven Musikpraxis oder eben (meditativ) bei den Zuhörern.

Interessanterweise dienen gerade die einer bewussten Körpererfahrung zuzurechnenden inneren Prozesse wie Herzschlag, Gehirnaktivität, Blutkreislauf oder die äußeren Bewegungen des Körpers beim Instrumentalspiel oder der zwischen dem Innen und Außen vermittelnde, Gesang erst ermöglichende Atem als Ausgangspunkt oder Modell für diese neuen musikalischen Konzepte. Zugleich realisieren sich diese Körperbilder erst in Aufführungen, zum Beispiel auf der Bühne, weshalb auch die Komponenten dieser besonderen Situation in die Betrachtung des Körpers in der Musik einbezogen werden muss. Denn in diesen performativen Akten kommt es über den Raum und die Präsenz der Performer zu einer (körperlichen) Interaktion mit den Zuhörern.

 

2 »Der Körper im kompositorischen Denken«

Prof. Isabel Mundry

Es gibt Momente, in denen ich Künstler anderer Sparten darum beneide, bei ihrem Schaffen auch ihren Körper einsetzen zu können. Visuelle Künstler bewegen Materialien, Choreographen bewegen den Körper selbst. Das Komponieren hingegen vollzieht sich leise, und der Körper des Komponisten steht dabei still. Doch dieser Mangel würde mir nicht auffallen, wenn er nicht als Spannung beim Komponieren selbst präsent wäre.

Die Geschichte der neuen Musik ist auch eine des Verschwindens und Neukonstituierens ihrer Körperlichkeit. Haben die Regelwerke des Serialismus und der Aleatorik jegliche Form des Verweisens zugunsten einer selbstbezüglichen, rein abstrakt organisierten Musik strikt vermieden, so hat später die Vielfalt der Wahrnehmung wieder ihren Einzug genommen. Die Thematisierung des Körperlichen ist wieder in die neue Musik zurückgekehrt, doch als ein ähnlich multiples Gebilde, wie es die ästhetische Vielfalt unserer Zeit selbst ist.

Anhand eigener Kompositionen möchte ich nachzeichnen, wie sich körperliche und ästhetische Wahrnehmung wechselseitig beeinflussen. Sitzt der Körper beim Akt des Schreibens zwar still, so kann er doch innerhalb der musikalischen Strukturen zu agieren beginnen.

 

3 »F.M. Alexander Technik«

Prof. Nadia Kevan, Ron Murdock

Ron Murdock und Nadia Kevan werden gemeinsam diesen Vortrag über die F.M.Alexandertechnik gestalten und auch gemeinsam im Coteaching die Verbindung zur Praxis im Workshop 17 herstellen. Sie berichten aus ihren jahrelangen Erfahrungen mit Alexander Technik als psycho– physischer Unterstützung in künstlerischen Prozessen. Diese Erfahrungen stammen zum einen aus ihrer eigenen künstlerischen Arbeit und zum anderen aus ihrer internationalen Tätigkeit als Dozenten für Alexander Technik in der künstlerischen Ausbildung, speziell für Musiker. Der Schauspieler F.M. Alexander entdeckte, dass die Ursache seiner Stimmprobleme darauf beruhte, dass er den natürlichen Prozess von Atmung und Stimme durch Verspannungen, die für seine Ziele völlig überflüssig waren, selbst störte. Er erkannte, dass die Verspannungen beim Spielen gewohnheitsbedingt waren, dass es möglich war, diese Muster zu verändern und durch einen neuen positiven Umgang mit sich selbst zu ersetzen. Diese großartige Entdeckung hat in beiden das Vertrauen erweckt, dass alle Fähigkeiten in jungen Künstlern schon vorhanden sind, dass die Schwierigkeiten, denen diese begegnen, nicht durch einen Mangel an Begabung hervorgerufen werden, sondern zumeist Symptome von Störungen sind. Dieser Erkenntnis folgend, ist ihre Arbeit mit Studierenden durch Respekt, Geduld und Freundlichkeit gekennzeichnet. Das hat eine große therapeutische Wirkung und ist sehr förderlich für den Lernprozess.

 

4 »Die Feldenkrais–Methode im Kontext Somatischen Lernens / Somatisches Lernen — Perspektiven für Kunst und Kultur«

Angelika Odenthal

»Der wirkliche Vorzug der aufrechten Haltung ist die Leichtigkeit der Drehung um die Vertikale, von rechts nach links oder anders herum, was den menschlichen Horizont erweitert.« Mit diesen wenigen Worten hat Moshé Feldenkrais den Radius der Feldenkrais–Methode abgesteckt. Von der aufrechten Haltung ausgehend, unsere körperlichen und geistigen Möglichkeiten zu erkunden. Die Frage, die sich daraus für den »Körper des Künstlers« ergibt, ist die nach Wirkung und Bedeutung einer solchen Haltung für die Sinne und den Geist, für Kreativität und Ausdruckskraft.

Die Neurowissenschaft hat bestätigt, dass die Trennung zwischen Körper und Geist nicht mehr haltbar ist, dass somatische und geistige Prozesse in unserem Gehirn unauflöslich miteinander vernetzt sind. Die »Pioniere« somatischer Lernverfahren verließen sich auf ihre Wahrnehmung und die eigene Erfahrung. Wie Moshé Feldenkrais, der mit der gleichnamigen Methode ein Verfahren entwickelte, das genau an der Schnittstelle zwischen Soma und Geist ansetzt. Stichworte wie bessere Selbstorganisation, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Freisetzung gebundener Ressourcen, größere Beweglichkeit, Stress–Reduktion deuten an, dass »somatisches Lernen«, neben der Verbesserung der allgemeinen Befindlichkeit, offensichtlich mehr bewirkt — die Förderung der Kreativität zum Beispiel.

 

5 »Bewegung, Körperwahrnehmung & Lernen bei Musiker und Tänzer aus neurowissenschaftlicher Perspektive«

Dr. Victor Candia

Für die Bewegungsausführung sind sensorische und motorische Informationen notwendig. Diese werden im Gehirn zusammengeführt. Durch Übung bilden sie dort eine spezifische neuronale Repräsentation, die den künstlerischen Ausdruck, wie z.B. beim Musizieren und Tanzen, ermöglicht. Erfahrung verändert diese Repräsentation. Bewegungsausführung wird oft in Beziehung zum Muskel, Sehnen und Gelenke gebracht. Diese sind nicht nur ausführende Strukturen, sondern auch Übermittler wichtiger neuronaler Informationen und stehen in enger Wechselwirkung mit dem Gehirn. Aus diesem Grund ist das Üben fehlerhafter Bewegungsabläufe, als Folge von Überlastung und Ermüdung oder gar von Bewegungsüberforderung hinderlich für den musikalischen Ausdruck, da letzterer auf eine intakte und adäquate Hirnorganisation angewiesen ist. Bewegungsoptimierung, sollte demnach ein wichtiger Platz im modernen Musik- und Tanzunterricht darstellen. Hierbei, und basierend auf neurowissenschaftlichen Erkenntnisse, sollten sowohl physische als auch kognitionspsychologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden

 

6 »Lernen im Flow — Körper und Geist im Zustand der Selbstorganisation«

Andreas Burzik

Der Begriff Flow beschreibt Zustände der Versunkenheit in eine Tätigkeit, das selbstvergessene Aufgehen in einem engagierten und doch mühelosen Tun.

Flow ist ein mentaler Hochleistungszustand, in dem Künstler ihr volles Potenzial erreichen. Körperliche, geistige und emotionale Funktionen spielen in einer hoch integrierten Form zusammen, das System „Darstellender Künstler“ geht in einen Zustand der Selbstorganisation über: „Es“ spielt, singt, tanzt. Am Beispiel des Übens im Flow, einer ganzheitlichen, körperorientierten Übemethode für Musiker, werden die Prinzipien dargestellt, nach denen Selbstorganisation bei darstellenden Künstlern entsteht. Neurophysiologische Studien aus Sport– und Musikpsychologie bieten Erklärungsansätze für die besondere Funktionsweise des Gehirns in diesen Zuständen „optimaler Erfahrung“.

 

7 »Musikschulen und –hochschulen und ihre präventiven Aufgaben bezüglich zukünftiger Erkrankungen bei Musikern«

Prof. Dr. med. Jochen Blum

Bereits in der musikalischen Früherziehung, während Instrumentalausbildung und Hochschulstudium werden entscheidende Weichen gestellt, die den Umgang mit dem eigenen Körper beim Musizieren bestimmen. Hier können Chancen einer Kompensation angeborener ungünstiger Faktoren wie auch der Prophylaxe späterer Erkrankungen versäumt werden. Dies bezieht sich auf spezielle instrumentaltechnische und didaktische Fragestellungen, aber auch auf die grundsätzliche Betrachtung physiologischer Vorgänge.

Forschungsergebnisse, wie auch die Erfahrungen aus Gesprächen in der Musikersprechstunde selbst, haben deutlich gemacht, dass ein großer Teil der Musiker rückblickend die geringe Beachtung physiologischer Grundsätze bedauert. Es wird das sehr geringe Angebot an Information diesbezüglich während des Studiums beklagt.

Eine Untersuchung durch Larson und Mitarbeiter (N. Engl. J. Med. 329 (1993), 1079–1082) zeigt, dass körperliche Beschwerden bereits bei jungen Musikstudenten gehäuft und unabhängig von der Einstufung als zuvor Begabte und Hochbegabte vorkommen. 660 Studenten und Studentinnen der bekannten Eastman School of Music in Rochester wurden zu Problemen des Bewegungsapparates im Zusammenhang mit dem Musizieren untersucht und befragt. Hierbei berichten über 50% der Musikstudenten über Beschwerden beim Spielen im Bereich des Bewegungsapparates, bei den Streichern sogar 77%. Damit ist nicht das Versagen an einer virtousen Stelle gemeint, sondern Symptome wie Engegefühle, Schmerzen, Steifheit, Ermüdung, Schwäche, Verkrampfung und Taubheitsgefühle.

Hier stellt sich die Frage, wie Aufklärung und Verständnis gegenüber der Bedeutung von Körpererfahrung und –bewußtsein an den musikalischen Ausbildungsstätten besser vermittelt werden können. Dies muss mit einem Minimum an anatomischen und physiologischen bzw. biomechanischen Kenntnissen, wie auch Grundwissen von möglichen gesundheitlichen Problemen bei Missachtung der körperlichen Komponente des Musizierens gekoppelt sein. Hinzu kommt die Vermittlung von beispielsweise praxis–bezogenen Körpertechniken und der Physioprophylaxe.

Dieser Vortrag soll die diesbezüglichen Probleme aufzeigen und analysieren, aber auch Lösungswege präsentieren, wie sie aus 20 Jahren musikphysioloigscher und musikermedizinischer Tätigkeit entstanden sind.

 

SEMINARE

I »perSPICE! — »Embodied Perception«

Julian Klein

Körperliche Wahrnehmung, ästhetisches Erleben und künstlerische Erfahrung The spice of perception, die Würze unserer Wahrnehmung, ist das ästhetische Erleben. Wir erfahren es in künstlerischen Zusammenhängen, aber nicht nur dort: es durchzieht unsere Wahrnehmung und begleitet unsere Konstruktion der Wirklichkeit. Die künstlerische Erfahrung beruht auf gleichsam verkörperter Wahrnehmung von Rahmungen; ihre Reflexion und Schärfung ist zentraler Gegenstand der Ausbildung in den künstlerischen Disziplinen. Im Seminar "embodied perception" soll in interdisziplinärer Perspektive die Frage diskutiert werden, welche Bedeutung subjektive und intersubjektive Elemente der Körperlichkeit von (nicht nur ästhetischer) Wahrnehmung gewinnen.

 

II »transcribing the body: Körperklang und kinematografische Strategien«

Christin Gaigg

Exposé: Anhand der Filme von Rafael Monanez Ortiz wird die Entwicklung des Projektes Trike dargestellt:

1. es beginnt mit den transmedialen Transkriptionen der Filme Martin Arnolds und deren Realisation in meinen Partituren.
2. Anwendung der Techniken Arnolds auf ebendiese Partituren im Remix–Vorgang
3. Choreografische Verwendung der Remixes in der ersten Phase Trike Summer. Begriff der inhärenten Choreografie.
4. Ausfilterung der Musikzuspielungen und Einsatz der BodyMusic in TRIKE
5. Neuer Einsatz kinematografischer Techniken bei V–Trike: Entwicklung des Visual Loop Generator. Neudefinition der BodyMusic durch Einsatz von Klangplatten als Tanzboden.
6. Ausblick auf die Weiterentwicklung.

Seit 2004 arbeite ich zusammen mit dem Komponisten Bernhard Lang an einer strukturellen Verbindung von klanglicher und tänzerischer Bewegung. Unser Ausgangspunkt ist ein drittes Medium, der Experimentalfilm, von dessen präziser Auseinandersetzung mit dem Material ausgehend wir unsere Arbeitsweise entwickelt haben. Wie der Filmemacher Peter Kubelka bemerkt hat, ist unsere Konzeption die eines „post–kinematographischen“ Körpers, dessen Bewegungspotentiale analoge und digitale Verfahrensweisen zusammenführen. Mittlerweile greifen unsere ursprünglichen Rollen als Choreografin bzw Komponist derart ineinander, dass die eine Funktion von der anderen nicht mehr zu unterscheiden ist.

Im Seminar demonstriere ich anhand von Videoausschnitten der »TRIKE«–Serie, welche körpertechnischen Konsequenzen sich für die Tänzer aus dem konzeptuellen Ansatz des Sampling und Looping, des Zerteilens, Kopierens und Auffaltens, des Wiederholens und Differenzierens von Bewegungsmomenten ergeben.

 

III »Körper– und Bewegungsverfahren aus der Sicht der Motologie«

Henrik Göhle

Motologie ist die Wissenschaft und Lehre vom Zusammenhang zwischen Bewegung und Psyche. In der künstlerischen Ausbildung ist wie bei keinem anderen Studium die Entwicklung von geistigen Fähigkeiten an die Verbesserung von motorischen Fähigkeiten geknüpft. Körper– und Bewegungsverfahren haben diese Verbindung von Geist und Körper immer wieder thematisiert. Moshé Feldenkrais zufolge besteht das Ziel darin, über Bewegung das gesamte Ich–Bild positiv zu beeinflussen.

Wie lassen sich Verbindungen von Psyche und Bewegung genauer beschreiben und nutzen? Wie entwickeln und beeinflussen sich Körper und Geist? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich die Wissenschaftsdisziplin "Motologie", die an der Universität Marburg gelehrt wird. Die Erkenntnisse aus der Motologie helfen, die Zusammenhänge zwischen Bewegung und Psyche differenzierter zu verstehen und Veränderungsprozesse zu begleiten. Nach einem Einführungsvortrag in die Theorie der Motologie wird genügend Zeit für Fragen und Diskussionen sein.

 

LECTURE PERFORMANCE

»Zwischenstudie #1 — Lecture Performance zu Aspekten des Körpers in der Musik«

Jacob Bussmann

Welche Funktion hat der Körper in der Musik? Ist er nur ein Mittel zur Klangerzeugung, oder kann er als eigene Kategorie der ästhetischen Wahrnehmung bestimmt werden? Die Vorstellung, Musik sei die Übersetzung des Notentextes durch die Beherrschung des Instruments und die auf den Klang konzentrierte Wahrnehmung, wird durchkreuzt. Denn dazwischen ist der Körper des Musikers. Dieser ist sowohl gefesselt an den Notentext, der die Wiederholbarkeit eines Zeitverlaufs garantiert, als auch befreit davon, durch das Wissen um die Unmöglichkeit jeder Wiederholung. In der Lecture-Performance soll dieses Zwischenstadium genauer thematisiert werden. Anhand der philosophischen Körpertheorien von Paul Valéry und Maurice Merleau-Ponty wird den Fragen nachgegangen, warum der Körper für den Komponisten, den Musiker, den Zuhörer⁄-schauer im Hinblick auf die Erfahrung von Musik von Wichtigkeit ist und ob Phänomene der Resonanz und Empathie durch ihn hervorgerufen werden.